Erdgas als Brennstoff: Vieles ist möglich
So wie der Kauf eines Autos mit der Frage nach dem einzusetzenden Kraftstoff verbunden ist, steht bei der Planung einer Heizungsanlage die Entscheidung für einen Brennstoff an. Heute zählt der Brennstoff Gas zu den beliebtesten Brennstoffen, die zur Wärmeerzeugung genutzt werden.
Natürlich fordert jeder Brennstoff gewisse bauliche und auch anlagentechnische Gegebenheiten. Für den Brennstoff Erdgas ist der Anschluss des zu beheizenden Gebäudes an das öffentliche Gasversorgungsnetz Voraussetzung, denn Erdgas wird - wie auch das Kaltwasser aus der Trinkwasserleitung - entsprechend des Bedarfs von einem Versorgungsunternehmen (zum Beispiel Stadtwerke) bezogen und nicht wie Heizöl bevorratet. Die Platzierung eines Vorratsbehälters entfällt dafür.
Überlegungen dieser Art treten natürlich nicht bei dem Austausch eines alten Gasheizkessels gegen einen neuen auf. Auch ist die Geräteauswahl, wenn das bestehende Rohrleitungsnetz genutzt und der Aufstellort beibehalten werden soll, eingeschränkt: Anschlüsse wie Vor- und Rücklauf und gegebenenfalls Abmessungen müssen mit denen des Vorgängermodells identisch sein.
Komplexer gestalten sich Überlegungen im Falle eines Neubaus. Es steht zum Beispiel die Frage nach dem Kesselstandort und die Wahl zwischen einem Niedertemperatur- und Brennwertkessel an.
Charakteristisches Merkmal von Niedertemperatur- und Brennwertkessel ist die dem Wärmebedarf angepasste Betriebsweise. Sie macht sich die Tatsache zu nutze, dass der Wärmebedarf an milden Tagen niedriger ist als an kalten Wintertagen. Aus diesem Grund wird die Vorlauftemperatur des Heizmediums in Abhängigkeit der momentan herrschenden Außentemperatur geregelt. Lediglich zur Trinkwassererwärmung oder an kalten Wintertagen werden Vorlauftemperaturen von 70 °C bis 75 °C benötigt.
Niedertemperatur- und Brennwertkessel weisen aber nicht nur Gemeinsamkeiten auf, sondern unterscheiden sich auch maßgeblich. Der Brennwertkessel nutzt zusätzlich die Verdampfungswärme des im Abgas enthaltenen Wasserdampfs. So weist ein Gas-Brennwertkessel einen Norm-Nutzungsgrad von bis zu 109 % bezogen auf die in Deutschland gebräuchliche Bezugsgröße, den Heizwert auf. Bezogen auf den physikalisch korrekten Maßstab, den Brennwert, der im Gegensatz zum Heizwert die Kondensationswärme berücksichtigt, ergäbe sich ein Norm-Nutzungsgrad von etwa 98 %. Gasbetriebene Niedertemperaturkessel mit einem Norm-Nutzungsgrad von 94 % erreichen bezogen auf den Energie-Maßstab ?Brennwert? nur 85%.
Hinsichtlich des Standorts sind den Wünschen nahezu keine Grenzen gesetzt. Je nach Ausführung - bodenstehend oder wandhängend - kann der Gasheizkessel in einem separaten Technikraum oder im Wohnraum platziert werden. Als vorteilhaft erweist sich bei bodenstehenden Gas-Niedertemperaturheizkesseln, die einen separaten Aufstellraum verlangen, dass die Dimensionierung des Warmwasser-Speichers keinen räumlichen Einschränkungen unterliegt.
So können nebenstehende oder untergesetzte Warmwasser-Speicher mit unterschiedlichen Wasserinhalten zum Einsatz kommen. Insbesondere die Variante ?Kessel mit untergesetztem Warmwasser-Speicher? bietet sich zur platzsparenden Unterbringung im Aufstellraum an, so dass dieser trotz Wärmezentrale als Hobbyraum zur Verfügung steht. Bedingt allerdings, dass in diesem kein Lösungsmittel verwandt und die Entwicklung von Staub (Wäschefusseln) vermieden wird. Auch bietet der Aufstellraum den enormen Vorteil, dass zukünftig gewünschten, solaren Systemerweiterungen oder dem eventuellen, nachträglichen Einbau eines Festbrennstoffkessels keine Grenzen gesetzt sind. Hinzu kommt, dass weder Geräuschentwicklungen noch Servicearbeiten am Heizkessel das normale Tagesgeschehen der Wohnhaus beeinträchtigen.
Diese Aufstellvariante ist dem wandhängenden Gasheizkessel, den es als Niedertemperatur- oder Brennwertversion gibt, natürlich nicht vorenthalten. Aber gerade Wandheizkessel eignen sich für Etagenwohnungen sowie für Ein- und Zweifamilienhäuser, in denen aus Gründen der Raumaufteilung oder der Platzeinsparung kein Aufstellraum vorgesehen ist.
Eine wandhängende, raumluftunabhängig betriebene Wärmezentrale aus Heizkessel, Regelgerät und Warmwasser-Speicher lässt sich zum Beispiel in der Küche oder im Badezimmer unterbringen. Das Angebot an Warmwasser-Speichern reicht von integrierten über wandhängende bis hin zu untergestellten oder nebenstehenden Warmwasser-Speichern. Ergänzend hierzu besteht die Möglichkeit, warmes Wasser nicht im Warmwasser-Speicher zu bevorraten, sondern im Moment der Entnahme zu erzeugen. Hierbei kommen sogenannte Kombigeräte, Wandheizkessel, die warmes Wasser nach dem Durchlaufprinzip erzeugen, zum Einsatz.
Die Planung einer Heizungsanlage gestaltet sich vielfältig, so dass die unterschiedlichsten Wünsche realisiert werden können. Letztendlich hängt die Entscheidung für ein Heizsystem von den Vorstellungen des Bauherrn ab, die allerdings im Einklang mit den baulichen Gegebenheiten des Hauses stehen müssen.
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